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Menschen mit und ohne Behinderung spielen gemeinsam Theater
Michael Endes Geschichte von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer kennen wir alle noch. Der Augsburger-Puppenkisten-Klassiker erhielt jetzt eine neue Gestalt durch ein integratives Theaterprojekt der Rotenburger Werke.
Am Sonntagnachmittag war Premiere für das eineinhalbstündige Stück im Lutherhaus auf dem Kalandshof. Das Haus war brechend voll und die Stimmung ausgezeichnet, als die Akteure die Spielfläche betraten. Man erinnert sich: Die Königin von Lummerland bekommt Flaschenpost von der armen Prinzessin Li Si, keine geringere als die Tochter des Kaisers von China, die von der scheußlich strengen Lehrerin, dem Drachen Frau Mahlzahn mit anderen Kindern gefangen gehalten wird.
Jim Knopf (Dennis Schramke), Lukas, der Lokomotivführer (Sascha Düring) und die Lokomotive Emma brechen auf, die Prinzessin zu befreien. Wunderbar wurde die Ankunft in China von den Schauspielern dargestellt, Disziplin und Dynamik wurden von den behinderten und nichtbehinderten Teilnehmern des Theaterprojekts perfekt in Szene gesetzt. Der Regisseur Hans-Joachim Reich verstand es, jedem eine Rolle zu geben, in der er oder sie den Möglichkeiten entsprechend einen Platz im Gesamtgeschehen hatten. Regieassistenz führte Christiane Reich-Ludwig.
Auch Menschen mit schweren geistigen Behinderungen spielten mit und überzeugten mit kleinen Parts. Phantasievoll waren die Kostüme und Masken, die zum Einsatz kamen, zum Beispiel beim langen Weg durch die Wüste. Dann kam es zur siegreichen Auseinandersetzung mit dem tatsächlich furchterregenden Drachen Frau Mahlzahn, zur Befreiung der Kinder und zum Kampf mit den Piraten der Wilden Dreizehn, die hier zur Wilden Elf verkleinert wurde. Und ganz am Schluss das Happy-End, die Hochzeit von Jim Knopf und der Prinzessin Li Si, die von Rena Huthmann ganz zauberhaft dargestellt wurde.
Lang anhaltender Applaus war der Lohn für fast ein Jahr Proben, und der galt nicht nur den Schauspielern, sondern auch den beiden Musikern Karin Christoph und Reinhard Röhrs, die virtuos und humorvoll durch das ganze Stück führten.
Eine tolle Aktion der Rotenburger Werke, die zeigt, dass eine gemeinsame Arbeit von Menschen mit und ohne Behinderung nicht nur erfolgreich sein kann, sondern auch jede Menge Spaß bereitet. Das Stück wurde dann am Montag in der Fachhochschule Ottersberg aufgeführt; der Regisseur Hans-Joachim Reich unterrichtet dort Schauspiel und konnte auch einige Studierende zur Mitarbeit beim integrativen Projekt gewinnen.
Auch für das nächste Jahr wird wieder ein gemeinsames Theaterprojekt mit Probenbeginn im Herbst geplant. Wer mitspielen möchte, kann sich schon jetzt anmelden. Ansprechpartnerin ist Barbara Brockmann vom Freizeitbereich der Rotenburger Werke, Tel. 04261-920858.


